Ehrenmal soll 2013 fertig restauriert sein

„Auch wenn es am Ehrenmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges so aussieht, als ob die Arbeiten ruhen – das Gegenteil ist der Fall!“ schreibt Bürgermeister Hans Georg Brum in einer Pressemitteilung der Stadt Oberursel am 7. Mai 2013. Nachdem die Standsicherung der Säule inzwischen abgeschlossen werden konnte, gehe es gut voran mit der Aufarbeitung des Mosaiks. Diese Arbeiten erfolgten allerdings nicht vor Ort am Ehrenmal, sondern in den Werkstätten des Restaurators Steyer in Eppstein. Bereits die Hälfte des abgenommenen und zwischengelagerten Mosaiks seien dort schon aufgearbeitet. Ziel sei es, dass das die Sanierung des Ehrenmales bis Ende 2013 abgeschlossen wird.

Bürgermeister Hans-Georg Brum bedankt sich in der Pressemitteilung ausdrücklich bei den vielen Spendern: „Ohne die enorme Spendenbereitschaft vieler Oberurseler wäre die Sanierung dieses Denkmals nicht möglich geworden. Die Geschichte des Ehrenmales ist beispielgebend für das große bürgerschaftliche Engagement in unserer Stadt.“

Stand der Arbeiten

Im April 2011 hatten die Arbeiten am Ehrenmal mit der Einrüstung des Denkmals begonnen. Später hatte die beauftragte Fachfirma Steyer aus Eppstein begonnen, das Mosaik nach und nach abzunehmen. Zwischendurch mussten die Arbeiten jedoch aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden, da während der Abnahme des Mosaiks Schwan-kungen im oberen Teil der Säule aufgetreten waren. So wurde die Säule zuerst mit zusätzlichen Abspannungen im Gerüst gesichert, außerdem stellte sich heraus, dass die Säule eine dauerhafte, zusätzliche Absicherung benötigt.

In den Folgemonaten waren umfangreiche Untersuchungen am Ehrenmal durchgeführt worden, um die Ursachen für die Schwankungen der Säule zu ergründen. Die weiteren Sanierungsarbeiten hatten daher aus Sicherheitsgründen eingestellt werden müssen.

Zuerst war – nach statischer Berechnung – zur Einspannung der Säule das Arbeitsgerüst in ein mit Zusatzlasten abgespanntes Traggerüst umgebaut worden. Danach wurden die statisch-konstruktiven sowie die material- und gründungstechnischen Gegebenheiten des Bauwerks im Detail ermittelt.

Nach Abnahme der Kupferhaube wurde ein Loch (Durchmesser ca. 60 cm) in die massive Stahl-beton-Deckplatte geschnitten, um das Innere der hohlen Säule inspizieren zu können. Dabei stellte sich heraus, dass auch das mosaikverkleidete Postament, auf dem die Säule steht, im Inneren hohl ist, ähnlich einem Kaminzug.

Eine Reihe von Probebohrungen, teilweise mit endoskopischen Untersuchungen durch die Restauratorenfirma Steyer, gaben Aufschluss über Art, Zustand und Dimensionierung des inneren Aufbaus des Postaments und der Übergänge zur Säule und zum Fundament. Außerdem musste eine sichere Erkenntnis über die Tragfähigkeit des Bodens und der Beschaffenheit des Fundamentes gewonnen werden. Hierzu wurde eine Schürfung am Fundament vorgenommen.

Die Untersuchungen zeigten, dass das Ehrenmal solide gegründet ist und der Boden auch für eine Auflast verstärkende Säulenverfüllung ausreichend tragfähig ist.
Nach Vorlage einer umfassenden, statischen Berechnung mit einem daraus resultierenden Konzept zur dauerhaften Sicherung der Standfestigkeit des Ehrenmals wurde das Restaurierungskonzept der neuen Erkenntnislage angepasst und seitdem folgende Arbeitsschritte umgesetzt:

• In den inneren, hohlen Säulenschaft (Höhe 9,12m) und den Hohlbereich im Unterbau (Höhe 4,22m) wurde ein durchgehender Stahlstab eingebracht.
• Danach wurde der Hohlbereich des gemauerten Unterbaus, in dem der Stahlstab steht, mit fließfähigem Beton verfüllt.
• Nach dem Erhärten des Betonkerns erfolgte das innere Betonieren des oberirdisch gemauerten Teiles (Postament). Wegen des Betonierdrucks, der den gemauerten Aufbau sprengen könnte, waren jeweils nur 40cm Füllhöhe in einem Arbeitsgang möglich.
• Es folgte das Verfüllen in Schritten von jeweils 30cm Höhe, um ein Sprengen der Säule durch den entstehenden Druck zu verhindern. Zur Sicherung wurden Stahlbänder in jeder Steinlage des Säulenschaftes angelegt. Das Einbringen des Betons erfolgte abschnittsweise über Bohrlöcher, damit sollte verhindert werden, dass sich der Beton bei zu großer Fallhöhe entmischt.

Die neu gewonnenen Erkenntnisse haben zu dem Schluss geführt, dass die zuvor nicht bekannten Schwankungen der Säule ursächlich für die großen Schäden an der Mosaikschale im unteren Teil der Säule sind. Die bisher verantwortlich gemachten thermischen Spannungen sowie eindringendes Regenwasser und Frost verstärken und beschleunigen den Schadensprozess nur.

Als Konsequenz daraus und auf Forderung der Landesdenkmalpflege verblieb der obere, noch nicht abgenommene Teil des Mosaiks an der Säule. Die Verbindung zur Säule hat sich als sehr fest erwiesen, und die Schäden sind in diesem Abschnitt gering. Die Abnahme dieser Mosaikflächen wäre zudem wegen der großen Festigkeit sehr zeit- und kostenaufwändig.

Durch das innere Verspannen der Säule werden die bisherigen Schwankungen ausgeschaltet, so dass ein Aufreißen der Mosaikschale künftig unterbunden wird. Dadurch können die Mosaiksegmente - nach der Restaurierung – wieder in Mörteltechnik aufgebracht werden. Damit entfällt das Aufbringen der Mosaiksegmente auf Kohlefasergewebe, rückseitige Umfassung der Segmente durch Edelstahlrahmen und die Montage der Segmente mit Ankerhaken am Säulenkern – wodurch sich Kosten einsparen lassen.

Ein kompletter Abschluss der Maßnahmen am Ehrenmal erfolgt allerdings erst, wenn auch der quadratische Sockel restauriert wurde, der mit den Namen der Gefallenen in Mosaiktechnik versehen ist. Hierfür werden nochmals Kosten in Höhe von ca. 10.000 Euro veranschlagt.

Weitere Spenden und Zuschüsse sind erforderlich, um das Projekt zu einem guten Ende zu bringen.

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Das Ehrenmal am 27. April 2013. Die restaurierte Christusfigur ist schon erkennbar. Foto: Müllerleile

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Ein Stück Mosaik in der Werkstatt von Matthias Steyer in Eppstein, aufgenommen im Mai 2013. Foto: Matthias Steyer