Restaurierung des Ehrenmals komplexer als erwartet

Die Säule des Ehrenmals ist nicht so standfest wie ursprünglich gedacht. Jetzt werden Überlegungen angestellt, mit welchen Methoden sie stabilisiert werden kann.

Seit November bietet das Ehrenmal an der Christuskirche einen besonderen Anblick. Der Restaurator hat die Kupferhaube mit Kugel heruntergenommen und in die massive Beton-Deckplatte ein Loch von 60 Zentimetern Durchmesser geschnitten, damit das Innere der hohlen Säule inspiziert werden kann. Im Innern der Säule gibt es Steigeisen. Ein Mensch kann zwar über sie nach unten absteigen, aber der enge Hohlkörper lässt keinen Bewegungsspielraum, so dass man am Säulenfuß nicht arbeiten kann. Eine Höhenmessung hat ergeben, dass auch das würfelförmige Postament unter der Säule hohl ist. Das Material der darunter liegenden Basis – Beton oder gemauert – ist noch unklar.

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Das Ehrenmal nach 82 Jahren erstmals ohne Kupferhaube und Kugel.

Bekanntlich ist die Säule in ihrem derzeitigen Zustand instabil. Sie schwankt im Wind, aber nicht nur wegen des Windes, wie sich gezeigt hat. Die Gesamthöhe des Denkmals beträgt bis Oberkante Grundplatte laut Aufmaß jetzt 13 Meter. Es besteht der Verdacht, dass die Fundamentabmessungen im ungünstigsten Fall nur dem Säulendurchmesser oder allenfalls den Postamentabmessungen entsprechen. Dies würde auch – unabhängig von den Windkräften und deren Aufnahme – die Schwingungen erklären, da der in Oberursel anzutreffende bindige Boden in Verbindung mit einer Durchfeuchtung als sehr weich einzustufen ist. Dadurch könnte sich unabhängig von den maximalen Windkräften schon eine unzulässige Bodenpressung ergeben. Eine Verfüllung mit Beton zur Stabilisierung wäre dann wegen der deutlichen Mehrlast kontraproduktiv und wird zudem vom Landesamt für Denkmalpflege als irreversibler Eingriff in das Objekt sehr negativ gesehen.
Eine weitere Möglichkeit zur Stabilisierung wäre eine Verspannung mit CFK-Lamellen. Das sind dünne Lamellen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, die eine größere Biegezugfestigkeit als Stahl haben und als geklebte Bewehrung für das Verstärken von Tragwerken aus Stahlbeton eingesetzt werden.

Es müssten sechs vertikale Fugen in die Betonröhre geschnitten werden, in die die CFK-Bänder eingelegt und geklebt werden. Am Fuß und am Kopf der Säule müssten die sechs Bänder über Edelstahl-Verschraubungen mit dem Unterbau und der massiven Deckplatte verbunden werden. Nach Aussage des Statikers muss die Befestigung auf der Außenseite der Säule erfolgen, denn im Inneren der Röhre ist zum Arbeiten zu wenig Platz und der Effekt wäre auch nicht ausreichend. Auch bei Alternativüberlegungen für eine "Innenbefestigung" ist stets die Bodenverankerung problematisch.

Eine Sondierbohrung im Sockelbereich und die Sondierung der Innenseite der Säule des Ehrenmals lassen erkennen, dass im Bereich des Sockels (Postament) eine innenliegende Platte mit einer mittigen Öffnung vorhanden ist. Es ist bis dato unbekannt, wie und bis wohin und in welchem Material diese Platte ausgebildet wurde. Die Grundsockelplatte ist im Außenbereich hohl und die Fundamentierung selbst ist noch ungeklärt.

Die Sondierbohrung mit endoskopischer Untersuchung hat ergeben, dass das Postament aus Ziegelmauerwerk besteht, das stark durchfeuchtet ist.

Der obere Teil des Mosaiks ist noch nicht abgenommen worden. Die verbliebenen Mosaikflächen sind zur Abnahme vorbereitet, das heißt die Segmente mit Metallrahmen umfasst, mit PU-Schaum und Folien geschützt.

Folgende Maßnahmen werden vorbereitet:

 1. Die Baugrundverhältnisse sind zu erkunden, um eine verlässliche Aussage zur Tragfähigkeit des Bodens zu bekommen.

 2. Weiterhin ist eine seitliche Schürfung vorzunehmen, um die Substanz des Postamentes und der Gründung – Fundamentüberstand ja oder nein – festzustellen. Hier ist aber große Vorsicht angebracht, um die Standsicherheit des Ehrenmals nicht zu gefährden. Aus den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich dann die weiteren notwendigen Schritte ableiten.
Die Kosten für die Gesamtmaßnahme der Restaurierung werden wohl über die bisher kalkulierten 170.000 Euro hinausgehen. Die städtischen Mittel in Höhe von 35.000 Euro sind bereits verbraucht. Die Ursella-Stiftung hat erste Rechnungen aus Spendengeldern beglichen. Weitere Spenden und Zuschüsse sind nötig, um das Projekt zu einem guten Ende zu bringen.