Wackelt nicht mehr, aber hat Luft

Thomas Promny steht auf der Ladefläche seines kleinen Lastwagens und schaufelt Estrichkies in den Mischer. In gut zehn Metern Höhe warten seine Mitarbeiter Kay Bichlmaier und Fritz Egly auf den nächsten Eimer mit Beton, um die Arbeiten am Ehrenmal fortsetzen zu können.

Der Mischer rattert. Sobald die knapp 70 Kilo Kies, 13,5 Kilo Zement und rund 6 Liter Wasser vermengt sind, schleppt Promny die nächsten schwarzen Eimer zum Seilzug, mit dessen Hilfe das Füllmaterial nach oben gelangt. Dort lassen Bichlmaier und Egly den grauen Brei in die Säule pladdern. Noch 64 Zentimeter müssen an diesem Tag verfüllt werden, dann ist sie randvoll – und die Arbeit der Firma Bruno Marx (Michelstadt) beendet.

Mehr als 20 Mal waren die Sanierungsexperten in den vergangenen Wochen in Oberursel, um das Ehrenmal an der Christuskirche – das an die Oberurseler, die im Ersten Weltkrieg ums Leben kamen, erinnern soll – wieder standsicher zu machen. Die Voraussetzung dafür, dass das Mosaik, das die Säule ziert, wieder angebracht werden kann.

Wie berichtet, waren im Sommer die ersten Arbeiten am Denkmal – die Firma Steyer war dabei, das Mosaik abzunehmen – gestoppt worden, weil die Säule im Wind stark zu schwanken begann. Sie wurde daraufhin in ein Gerüst gezwängt, so dass sie nicht umfallen kann.

Thomas Promny, mittlerweile auf das oberste Podest des Gerüsts geklettert, drückt mit aller Kraft gegen die Säule, um zu demonstrieren, dass sie auch jetzt noch etwas schwankt. "Sie muss ein bisschen elastisch sein", sagt er. Um dem Wind standhalten zu können.

Vor Beginn der Arbeiten allerdings "hätten wir sie zu dritt umdrücken können", ist Bichlmaier überzeugt. Ein von Beton ummantelter circa 13 Meter langer Stahlstab, der bis in den Unterbau der Säule hineinreicht, bildet nun das Rückgrat.

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Maurer Kay Bichlmaier schüttet den Beton in den
Einfüllstutzen. Foto: Priedemuth


Der nächste Schritt ist jetzt die Sanierung der Mosaikteile, die in der Werkstatt von Matthias Steyer liegen. Dass der Restaurator den Auftrag erhält, ist laut Wolfgang Breese, Leiter der Abteilung Städtebau und Stadtgestaltung im Rathaus, geklärt. "Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist Geld", wie Dr. Justus Förschner, Geschäftsführer der Ursella-Stiftung, sagt.

Genauer gesagt, geht es um die Deckungslücke, also den Betrag, der jetzt noch fehlt, um das Gesamtprojekt finanzieren zu können. Breese geht aktuell von mindestens 145 000 Euro Gesamtkosten aus. Rechnet man Spenden (mehr als 80 000 Euro), Fördermittel (15 000) und einen Zuschuss der Stadt (35 000) zusammen, fehlen noch 10 000 bis 15 000 Euro.

Die Initiative "Rettet das Ehrenmal" stehe zwar schon in den Startlöchern für einen zweiten Spendenaufruf, so Vorsitzender Pfarrer Reiner Göpfert. Aber er sieht genauso die Stadt in der Pflicht, die schließlich für das Denkmal verantwortlich sei.

Mittel mobilisieren

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) will "versuchen, Haushaltsmittel zu mobilisieren". Denn wie die Initiative ist auch er der Ansicht, dass "die Sanierung des Ehrenmals jetzt zwingend zu Ende gebracht werden muss".

Bis zum Beginn der kalten Jahreszeit bleibt allerdings nicht mehr viel Zeit. Auch wenn an diesem Tag auf der Baustelle am Denkmal noch nichts davon zu spüren ist. Die Sonne scheint auf das Podest in luftiger Höhe. Und zwischendurch haben Thomas Promny und seine Mitarbeiter auch mal kurz Zeit, die Aussicht zu genießen.

Ein ganz anderes Gefühl beschlich sie vermutlich, als sie in die Säule klettern mussten. Nichts für Menschen mit Klaustrophobie. Denn der Innen-Durchmesser beträgt nur 77 Zentimeter. "Das ist schon eng. Bücken geht nicht", sagt Promny. "Ganz unten war nur ich."

Aber jeder im Team musste die Stiegen in der Säule mal ein Stück hinabsteigen. Schließlich galt es, die einzelnen Gewindestäbe, aus denen sich das 13 Meter lange Rückgrat zusammensetzt, in der Röhre zu verschrauben.

Die Verfüllarbeiten gingen übrigens in 40-Zentimeter-Abschnitten vorwärts – wie es der Statiker vorgegeben hatte. Im unteren Abschnitt der Säule wurde der Beton über vorher gebohrte Löcher eingefüllt. Von den Öffnungen ist jetzt so gut wie nichts mehr zu sehen. Alles bereit also für die nächsten Arbeiten.

(Aus: Taunuszeitung vom 21. September 2012)