Usingen will Kriegerdenkmal restaurieren

Kriegerdenkmale sind Mahnmale, selbst wenn sie manchmal martialisch daher kommen, wie es dem Zeitgeist ihrer Errichtung entsprach. In Usingen plädiert Heinrich Nitschke für die Erhaltung des dortigen Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Bürgermeister Steffen Wernard hat angekündigt, sich darum kümmern zu wollen.
Weithin sichtbar ist das Kriegerdenkmal im Usinger Schlosspark. Das massive, übermannshohe Werk des Bildhauers Carl Wilhelm Bierbrauer, wurde am 1. Juni 1924 eingeweiht. 1922 schrieb der Magistrat von Usingen einen Wettbewerb zu Gestaltung des Mahnmals aus, den Bierbrauer mit seiner martialischen Darstellung gewann.
Von unten betrachtet wird das Denkmal von zwei Darstellungen berittener Kämpfer eingerahmt. Die sich aufbäumenden Pferde schweben über geschlagenen Fußsoldaten. Auf der Rückseite ist eine Darstellung eines sterbenden Kriegers angebracht.

Im „Usinger Anzeiger“ vom 19. Januar 2013 erklärt der Usinger Bürger Heinrich Nitschke, was es mit dem Monument auf sich hat und warum es erhaltenswert ist:

„Die Usinger Bürgerschaft hat sich 1919 nach dem Ersten Weltkrieg sechs Jahre lang sehr schwergetan, ein von der Mehrheit der Bürger akzeptiertes Kriegerehrenmal zu errichten. Zwei der Gefallenen waren katholischen Glaubens und zwei waren Juden. Der richtige Standort des Denkmals war damals ein Problem. Es sollte nicht im evangelischen Kirchgarten und auch nicht bei der Hugenottenkirche sein. Die Finanzierung und die Gestaltung des Mahnmals gelangen nach langen Diskussionen in einem besonders berufenen Gremium der Stadt. Große Spenden der in den 20er Jahren noch in Usingen lebenden jüdischen Familien und ein Betrag von 25000 Reichsmark, eine Spende der in den USA lebenden Familie Hirschberg sowie Finanzmittel des Kreises und städtischer Bürger sicherten das Vorhaben des Magistrats.

Der Künstler Bierbrauer gestaltete den Entwurf so, dass alle Bürger, die überlebenden Kriegsteilnehmer und die Angehörigen der Gefallenen beim Erinnern ganz eigene Gedanken haben konnten: An das Leiden, an das schreckliche, oft qualvolle Sterben der Soldaten und auch ihren Einsatz, die Tapferkeit und den Heldentod der Krieger. Der Verfasser dieses Textes meint jedoch, dass unsere alten Kriegerdenkmäler nicht nur historische Erinnerungsstätten an unsere Gefallenen sind. Sie bleiben Orte, die uns und unsere Nachkommen ständig mahnen, Kriege, sinnloses Leiden und Sterben, Zerstören und Vernichten zu vermeiden. Kriege und deren Folgen dürfen unser Dasein und Leben nicht bestimmen und prägen. Kriegerdenkmäler sind Orte des „Nach-Denkens“.

Unsere Gesellschaft muss sie deshalb würdig pflegen und erhalten: Dafür sind ausreichende Finanzmittel vorzusehen.

Zuletzt ließ hier in Usingen in den 50er und 60-er Jahren Bürgermeister Mank - selbst ein Kriegsteilnehmer - gemeinsam mit den Pfarrern Faulstich und Ernst sowohl das Kriegerdenkmal im Schlossgarten als auch das Kriegsgräberfeld auf dem Friedhof würdevoll herrichten und stets ordentlich pflegen. Ehrenamtliche und Angehörige von Gefallenen helfen bei der Pflege.

Im Jahre 2004, als das Walrad-Denkmal im Schlossgarten ordentlich hergerichtet wurde, fiel auf, dass eine Sanierung des Kriegerdenkmals dringend erforderlich sei. Magistrat, Vereinsring, Geschichtsverein und Ortsbeirat erhielten drei Preisangebote von Fachfirmen, Gutachter wurden eingeschaltet und befragt. Damals diskutierten einige Bürger, deren Lebenswege durch den 2. Weltkrieg stark geprägt waren, im Vereinsring mit dem Voksbund für Kriegsgräber, dem VDK und auch möglichen Spendern die Sanierung des Mahnmals. Der damalige Ortsbeirat organisierte eine Besichtigung im Schlossgarten. In den Lokalzeitungen war noch in den Jahren 2005 /2006 die Denkmalsanierung ein wichtiges Thema. Dann wurde es still! Man vergaß das Problem. Erst 2011 bemerkte man die Einsturzgefahr. Die noch lebenden Kriegsteilnehmer und die Angehörigen der Gefallenen, sicher auch die große Mehrheit der Usinger, halten es für dringend erforderlich und würden es begrüßen, wenn das Kriegerdenkmal und dessen Umfeld im Jahr 2013 wieder ein würdevolles Aussehen bekäme.“

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Das Usinger Kriegerdenkmal ist dringend renovierungsbedürftig. Foto: Wikimedia Commons