Häufig gestellte Fragen zum Ehrenmal an der Christuskirche

Wie viel wird die Restaurierung des Ehrenmals voraussichtlich kosten?
Die Kosten wurden im November 2013 auf 206.000 Euro geschätzt. Eine offizielle Aufstellung der Stadt gibt es nicht. Eine inoffizielle finden Sie hier.
Warum will die Stadt Oberursel das Ehrenmal nicht ganz aus Steuergeldern restaurieren, wo sie doch Eigentümerin ist?

Die Stadt ist für die Grundversorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger zuständig, also die soziale, verkehrsmäßige, sportliche und kulturelle Infrastruktur. Ehrenmale, auch wenn sie Eigentum der Stadt sind, gehören zu den freiwilligen Leistungen. Aus Steuergeldern, die ja auch Bürgergelder sind, wurde schon einiges in den Erhalt des Ehrenmals an der Christuskirche gesteckt. Doch die angewandten Methoden haben es nicht dauerhaft sichern können. Jetzt ist eine Rettung technisch zwar möglich, aber so teuer geworden, dass die Restaurierung nur erfolgen wird, wenn die Bürger sich beteiligen. Das ist nichts Neues. Kein Denkmal, keine Kirche, kein Vereinsheim, kein Vortaunusmuseum gäbe es heute in Oberursel und auch einige Schulen, Turnhallen, Kindertagesstätten, Sportplätze und manches Seniorenheim nicht, wenn Bürger der Stadt sie nicht ganz oder teilweise finanziert hätten.
Warum kann man das Ehrenmal nicht auch den Opfern des Zweiten Weltkriegs widmen?
Das Ehrenmal steht unter Denkmalschutz. Das heißt, es darf nur mit Genehmigung der Landesdenkmalbehörden verändert werden. Das schützt es vor der Willkür übereifriger Zeitgenossen. Selbst die Nationalsozialisten respektierten das Ehrenmal so, wie es war. Die Initiatoren von 1929 wollten einen weiteren Krieg ausdrücklich verhindern und konnten nicht ahnen, dass nur neun Jahre später der nächste große Krieg ausbrechen würde, unter anderen Vorzeichen, aber als Folge der Katastrophe von 1914 bis 1918. Die Aufschrift auf dem Ehrenmal gilt für alle Kriege; die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges können nicht ohne Weiteres um die der 509 Gefallenen und Vermissten des Zweiten ergänzt werden. Ein Versuch in dieser Richtung würde heute manchen Streit auslösen, weil noch viele Namen von in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Krieg gestorbenen Oberurselern hinzugefügt werden müssten. Gleichwohl gilt es, darüber nachzudenken, wie andere Ehrenmale in Oberursel zu neuer Bedeutung geführt werden könnten.
Was macht das Ehrenmal denn künstlerisch so wertvoll?
Die Schöpferin des Ehrenmals, Lina von Schauroth, geb. Holzmann (1874 – 1970), war eine Frankfurter Künstlerin und Kunsthandwerkerin, die vor allem durch die Gestaltung von Glasfenstern und Mosaiken einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Als Glaskünstlerin erlangte sie Bekanntheit weit über den Frankfurter Raum hinaus. Viele ihrer Glasfenster sind, wie auch ihr Haus und das Atelier, durch den Bombenkrieg restlos zerstört worden. Erhaltene Glasfenster und Mosaiken befinden sich unter anderem im Schiff der Alten Nikolaikirche, im ehemaligen IG-Farben-Haus, heute Universität, in der ehemaligen Höchst AG in Frankfurt, der Evangelischen Kirche in Eppstein, in der Hohenzollerngruft des Berliner Doms und in der Marktkirche Wiesbaden. Das Oberurseler Ehrenmal gehört zu den erhaltenen Werken der Künstlerin. Die Mosaiksäule in Oberursel ist die einzige dieser Art der Künstlerin und eines der seltenen erhaltenen Freiluft-Säulenmosaike in Deutschland. Dass es nach Oberursel kam, war Folge einer umstrittenen Ablehnung des Architekten der Frankfurter Frauenfriedenskirche und nicht einer objektiven Bewertung von dessen künstlerischer Qualität. Letztere hat das Landesamt für Denkmalpflege veranlasst, das Werk auf die Denkmalliste zu setzen.
Welche Rolle spielt die Ursella-Stiftung?
Um zu vermeiden, dass für jeden guten Zweck ein eigener Verein gegründet wird, der viele Kräfte bindet, gibt es Bürgerstiftungen mit breitem Förderspektrum, die temporäre Initiativen wie „Rettet das Ehrenmal“ auffangen und Verwaltungskraft bündeln können. Eine solche Bürgerstiftung entsteht mit der Ursella-Stiftung, die aus Überschussmitteln der Städtischen Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft Oberursel GmbH (SEWO) gegründet wurde. Bei Zuwendungen an Stiftungen unterscheidet man zwischen Zustiftungen, die ins Stiftungskapital fließen und aus deren Kapitalerträgen Gutes getan wird, und Spenden, die jederzeit abrufbar für den guten Zweck zur Verfügung stehen. Beides kann eine Stiftung annehmen.